Datenspeicherung im Auto – Was weiß ihr Auto über Sie ?

Juni 16th, 2010 von Manu

Moderne Autos verfügen über Datenverarbeitungsleistungen, wie Großrechenanlagen. Sie speichern die wichtigsten, änhlich viele produzierte Fehlermeldungen. Dabei kommen einige dieser Fehlerprotokolle den Abgasnormen und dem Gesetzgeber zu gute. Weitere gespeicherte Informationen helfen bei der Fehlerdiagnose oder wurden als scheinbar überflüssige Daten für Plausibilationstest gesammelt. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass eine Werkstatt oder ein Hersteller gegen sie gesammelte Daten verwendet. Der Datenschutz spielt dabei eine große Rolle.

Als Fahrer sind ihnen in ihrem Auto nur sehr wenig von den protokollierten Daten zugänglich. Schon anhand der vielen Erfassungen kann ein Sachverhalt, basierend auf Fehlerprotokollen, durch Experten umfassend rekonstruiert werden und das ganz ohne einen Fahrtenschreiber oder eine Blackbox.

Fall Jörg Haider – Untersuchung des Autos

Ein gutes Beispiel für die genaue Erfassung ist die Untersuchung des VW Phaetons des tödlich verunglückten, östereichischen Politikers Jörg Haider. Dies Untersuchung durch VW ergab, dass, als der Wagen abhob und somit die Drehzahl eines Rades abwich von der eines anderen, die ESP-Sensorik einen Fehler protokollierte. Daraufhin lösten die Airbags des Fahrzeugs aus. Allgmemein notieren Fahrzeuge das Maximum an verfügbaren Daten: Zeit/Datum, Drehzahl, Temperatur, Geschwindigkeiten, Drücke usw. Insgesamt konnte durch VW die letzte halbe Minute des Unfalles des Wagens rekonstruiert und damit recht klare Indizien und Fakten an die Polizei geliefert werden.

Gesetzliche Datensammlung

Erstaunlicherweise besteht auch der Gesetzgeber teils auf eine Protokollierung von internen Daten des Autos. Beispielsweise werden Daten für die Emissionsgrenzwerte gespeichert, denn die Euro-Normen verlangen, dass das Motorsteuergerät einen kompletten Satz an Daten protokolliert und falls angefragt über den standardisierten OBD-Anschluss (On Board Diagnose) zugänglich macht. Auch Motorrädern, die über eine Euro-3-Zulassung verfügen, sind von dieser Erfassung nicht ausgeschlossen. In den USA werden die gespeicherten Daten sogar mit PDA-großen Geräten von der Polizei kontrolliert, um schnell feststellen zu können, ob die Abgaswerte laut ECU stimmen. Im kontrollwütigen Deutschland findet diese Methode zurzeit noch keinen fruchtbaren Untergrund.

Betrügerische Abgasuntersuchung

Die Zulassung einer Abgasnorm wird duch die dafür zuständige Behörde erteilt. Zuvor wird das Auto aber in einem exakt definierten Testzyklus untersucht, was für eine gerechte und vergleichbare Prüfung notwendig ist. Doch später im eigentlichen Betrieb kann es dazu kommen, dass schadstoffarmer oder ausreizender Betrieb des Motors widersprüchliche Anforderungen erzeugt.
Damit ein Wagen mit viel Leistung trotzdem diesen Test besteht, lassen sich Hersteller immer neue Möglichkeiten einfallen. Nicht selten stellen Hersteller ein Fahrzeug bereit, welches alle Kriterien erfüllt, vertreiben dann später aber Fahrzeuge mit anderen Auslegungen. Das beste Beispiel dafür ist das Euro-3-Konforme Motorad Ducati 1098. Es bestand die Abgsauntersuchung und der Motor, der trotz der vorgeschriebenen Schubabschaltung verblüffend schnell die Last wechselte, überzeugte von seinem Laufverhalten. Später, als ein Mitbewerber eine solche Maschine untersuchte, stellte sich jedoch heraus, dass die Zusammensetzung der Abgase extrem von den Kriterien abweichte. Eine immer wieder benutzte Begründung ist, dass es sich um einen Ausreißer in der Produktion handelt.
Ebenfalls beobachten lässt sich diese Art des Schummelns bei Autos. Manche Steuergeräte erkannten, ob sie sich gerade in einem Testzyklus befanden, was bedeutete, dass sie nur wenig mit Schadstoffen belastete Abgase absonderten. Ein Ingenieure des Verteibers Bosch bemerkte, dass das heutzutage wohl selten gemacht werde, da der Gestzgeber besonders drauf achten würde. Aber andere Entwickler verrieten auch, dass sie bei den Kraftstoffverbräuchen immer noch viel solche Techniken programmieren würden, damit sie sowohl bei den Prüfzyklen gut abschneiden, als auch einen gut laufenden Motor anbieten könnten. Denn auch wenn eine Erkennung, wie Bosch es sagt, nicht mehr stattfindet, kann der Motor sich ja in Testbereichen kategorisch gut verhalten und in anderen wiederum nicht. Dabei würde diese Methode nichteinmal in der Kategorie Schummeln wiederzufinden sein.

Daten sammeln aus Interesse der Hersteller

Für die Hersteller macht es teilweise ebenfalls Sinn Daten ihrer Fahrzeuge zu sammeln. Bei einer Garantie- oder Gewährleistungsleistung seitens des Herstellers kommt es oft vor, dass von Vertragswerkstätten Daten analysiert werden. Wenn dann im Protokoll steht, dass der Motor im kalten Zustand zu hoch gedreht wurde, haben Werkstatt und Hersteller Beweise dafür.
Eigentlich blokieren Cabrios ab Werk den automatischen Dachmechanismus bei Überschreiten einer gewissen Geschwindigkeit, um Schäden zu vermeiden. Wenn aber der Fahrer während des Öffnens stark beschleunigt, wird das Dach auf diese Art beschädigt. Damit der Hersteller später, in einem Garantiefall, etwas in der Hand hat, lässt er die Geschwindigkeit, während des Dachöffnungsvoganges, protokollieren.
Ein großes Problem ist, dass oftmals juristisch gesehen der Hersteller bevorzugt wird, da er volle Einsicht in das System hat. Dass die Daten nicht verfälscht oder durch einen Messfehler entstanden sind, muss der Hersteller nicht beweisen.

Sammeln für den Benutzer

Datensammeln kann aber auch für den Benutzer vorteilhaft sein. Es lassen sich durch geschickt gesammelte und ausgewertete Daten z.B. ganz neue Funktionen, wie ESP oder ABS, schaffen. Die Voraussetzung dafür sind Raddrehzahlsensoren. Der Rest wird durch das Steuerungsprogramm übernommen, folglich rein Software mäßig. Wegen der Einfachheit ist diese Software dann bei jedem Fahrzeug, welches Grundvoraussetzungen dafür besitzt, mit dabei, wird aber nur gegen Bezahlung aktiviert.
Günstige Reifendrucksysteme von Herstellern wie Continental und Bosch basieren auf Software: Platte Reifen haben einen anderen Abrollumfang als pralle, was von dem Programm durch die Drehzahldifferenz erkannt wird. Dabei werden aber nur große Druckverluste sicher erkannt.
Auch in der Serviceleistung kommt Datenerfassung dem Benutzer zu gute. Es lassen sich zum Beispiel anhand von Daten wie Anzahl der Starts, Zeit, Gesamtlaufzeit und Ölsorte den richtigen Zeitpunkt für den Service ermitteln.



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