Computex Mobil
Juli 15th, 2010 von
Manu
Die taiwanische Computernnesse Computex gewinnt für den Mobilmarkt an Bedeutung
Bisher war die Computex eher eine Komponentenmesse, auf der es um Mainboards, Chipsätze oder noch kleinere Details von PCs ging. In diesem Jahr standen jedoch Mobilthemen stärker im Fokus, schon Intels Keynote am ersten Tag drehte sich nur darum.
Die im Tablet-Bereich tätigen Hersteller redeten oft von einer neuen PC-Ära, davon, dass die fingerbedienbaren Geräte unseren Umgang mit Computern grundlegend ändern werden. Selbst wenn man davon den berufsimmanenten Enthusiasmus abzieht, durchzieht eine ungewöhnlich starke Aufbruchstimmung die Computex.
Die japanischen und US-Hersteller fehlen zwar, aber die taiwanischen gewinnen an Bedeutung: Kürzlich erst hat Asus den Sprung in die Top-5 geschafft, und Acer dürfte inzwischen HP überholt haben und der weltgrößte Notebook-Hersteller sein. Zudem präsentierten sich Intel, AMD und Microsoft mit großen Ständen.
China oder Taiwan
Gerade im Tablet-Bereich betreten viele neue Firmen den Markt, meist chinesische. Sie würden schneller auf Bedürfnisse reagieren als die taiwanischen, meinte ein asiatischer ARM-Mitarbeiter dazu. Tatsächlich sind sie weiter und zeigen seriennahe Tablets, nachdem sie schon im Frühjahr auf der CES oder dem MWC Prototypen gezeigt hatten.
Einen besonders guten Eindruck hinterließen das Huawei SmaKit S7 mit 7-Zoll-Display und praktischem eingebautem Ständer, der schicke 10-Zöller Malata SMB-A1011 mit Nvidia Tegra 2, ein von Qualcomm nur als „EBook-Reader von Foxconn” beschriebenes Gerät sowie ein wohl nur bei chinesischen
MSI zeigt den Prototypen eines 10-ZollTablet mit Atom-Prozessor und Windows 7. Die Oberfläche reagiert noch zäh,
ein Termin für die Markteinführung steht noch nicht fest.
Providern anzutreffender 7-Zöller von Mastone mit Freescale-Prozessor. Sie alle laufen mit ARM-Prozessoren und dem Betriebssystem Android – und sie lassen sich dank kapazitivem Touchscreen flüssig und präzise bedienen. Welche davon nach Deutschland kommen, ist aber noch offen; Malata spricht angeblich mit einem OEM-Hersteller.
Viele Tablets von chinesischen Herstellern sah man auch bei VIA. Einige davon sind mit spartanischer Ausstattung und eher mäßigen Resistiv-Touch-Displays auf einen möglichst niedrigen Preis ausgelegt.
Die Taiwaner zeigten hingegen nur unausgegorene Prototypen. So hielt Acer-Chef Lanci während Intels Pressekonferenz kurz ein nicht eingeschaltetes Gerät in die Kamera. Asus zeigte eine nette Designstudie eines 12-Zoll-Tablets mit Namen EeePad EP121, der in eine schicke Tastatur oder eine Multimedia-Halterung eingeklickt werden kann -Realisierung ungewiss. Ein zweiter Prototyp (EeePad EP101TC mit 10-Zoll-Panel) lief angeblich unter Microsofts neuem EmbeddedSystem für Tablets, doch ein echter Erkenntnisgewinn ließ sich aus der kaum funktionsfähigen Oberfläche nicht ziehen.
MSI führte zwei WindPad getaufte 10-ZollTablets vor: einen mit Windows 7 und langsam reagierender Oberfläche sowie einen mit Android und noch mehr Baustellen -letzteren nannte MSI selbst schon nur Designstudie.
Ganz so klar ist die Lage mit den chinesischen und taiwanischen Herstellern dann aber auch wieder nicht, denn die wenigen schon erhältlichen Tablets kommen aus noch anderen Quellen: Vom französischen Android-Pionier Archos, vom US-Riesen Dell, vom Japaner Toshiba – und natürlich von Apple: das inzwischen über zwei Millionen Mal verkaufte iPad hat überhaupt erst den Trend geschaffen, dass Tablets nicht nur wie bisher hauptsächlich im professionellen Umfeld interessant sind, sondern auch private Käufer finden können.
Windows-Tablets
Obwohl Konzernchef Ballmer den Trend er-
kannt hat, verschließt sich Microsoft ihm
konsequent, fast trotzig. So sagte Vizepräsi-
dent und OEM-Chef Steve Guggenheimer, dass Microsoft keinen Bedarf sehe, die Tablet-Version von Windows 7 für die Fingerbedienung zu optimieren. Auch von Windows Phone 7 sehe er keine TabletVersion. Es bleibt das gerade vorgestellte Windows Embedded Compact 7, ein Betriebssystem, zu dem Microsoft wohl keine Bedienoberfläche mitliefert, sondern das den einzelnen Herstellern überlässt. Wie toll das die Hersteller finden, hat der Branchenriese HP gezeigt, der lieber Palm kaufte, die Microsoft-Projekte stoppte und ankündigte, Smartphones, Tablets und Drucker mit WebOS auszustatten.
Ein paar Tablets mit Windows 7 gab es dennoch zu sehen, und die wenigen mit kapazitivem Display ließen sich auch flüssig bedienen – auf den ersten Blick jedenfalls. Bei Malata konnte man das direkt ausprobieren, denn dort standen zwei bis auf die Touchtechnik identische Modelle. Beim resistiv arbeitenden PC-A1001 kommt man nur zäh voran, der Wegfall der Tastatur wirkt als Einschränkung. Das PC-A1001H reagierte zwar so flink, dass ein wenig Neugier aufkam, ob man Windows mit dem Finger buchstäblich in den Griff kriegen kann, doch an zu vielen Stellen kommt man nur per Maus oder Tastatur vernünftig weiter.
Der chinesische Hersteller Hanwang mit seiner Marke Hanvon hat die Geräte noch deutlicher zugespitzt: Das B10 hat eine hochwertige Ausstattung mit Kapazitiv-Display und soll um 600 US-Dollar kosten, das B20 reagiert nur auf Stifteingaben, ist schlechter ausgestattet und soll deutlich weniger kosten.
Bei anderen Geräten ist noch nicht ganz klar, ob sie eher auf Vollausstattung oder auf niedrigen Preis zielen. Elitegroup zeigte ein nicht eingeschaltetes A102, unter Glas sah man das UX10 von LG Electronics, MSI betonte beim WindPad 100 die hauseigene Zusatzsoftware zur Verbesserung der Bedienung.
Intel ohne oder doch mit Windows
Intel trudelt etwas ziellos umher. Mit dem speziell für Tablets und Smartphones gedachten Z600, dem Moorestown-Prozessor auf Atom-Basis, kam der Abschied von Windows, denn darauf booten nur MeeGo und Android. Eini-
Android auf x86-Smartphones: Intel zeigte Vorserienmodelle von Aava Mobile, in denen ein Moorestown-Prozessor läuft.
Es ist noch ganz schön dick; die Seriengeräte sollen dünner ausfallen.
Geschrieben in Computerwissen |
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